Rinderrassen
Evolèner
«Die Rasse des freien Mannes»
Die ersten Spuren – ca. 6000 Jahre alte Knochen – von domestizierten Rindern in der Schweiz wurden im Wallis entdeckt. Die Nachfahren dieser Rinder sind die Tiere der Rassen Eringer und Evolène. Die Evolèner unterscheiden sich vor allem in der Farbe von ihrer berühmteren Schwester. Typisch sind weisse Flecken auf der Stirn und oft auch an Bauch, Schwanz und auf dem Rücken. Und genau diese Flecken wurden dem Evolèner Rind vor rund 150 Jahren beinahe zum Verhängnis.
Sie trotzten allen Widerständen
Damals, in den 1880er Jahren, wurde die Rasse der Eringer neu definiert und als unifarbig bestimmt. Damit war der Schlag der gefleckten Tiere ab sofort nicht mehr erwünscht. Diese sollten nicht mehr in der Viehzucht eingesetzt werden, was mit Entzug von Bundesfördergeldern und Verboten erreicht werden sollte. Einige hartnäckige Liebhaber der gefleckten Rinder wollten dies jedoch nicht akzeptieren. Man sagt, dass sie ihre Tiere hüteten wie ihren Augapfel, indem sie beispielsweise die Ställe bewachten – zum Teil mit geladenen Gewehren. Ein wenig rebellisch und kampfeslustig waren sie sicher – wie ihre für Kuhkämpfe bekannten Rinder. Ihr Leitspruch war «Die Evolèner-Rasse, die Rasse des freien Mannes!»
Seit den 1990er Jahren offiziell als gefährdete Rasse anerkannt
Diesen Züchtern ist es zu verdanken, dass die Evolèner überlebten. Ab den 1980er Jahren stieg das Bewusstsein zur Erhaltung der Arten- und Rassenvielfalt auch im Bereich von Nutztieren. Es war die Zeit, in der ProSpecieRara gegründet wurde. Eine Stiftung, die sich unter anderem für die Erhaltungszucht von gefährdeten Nutztierrassen einsetzt. In den 1990er Jahren wurden die Evolèner als eigenständige Rasse anerkannt und die kleine Population wurde stetig weiter aufgebaut. Mit einem Bestand von rund 500 Tieren gilt die Rasse immer noch als stark gefährdet, doch immerhin müssen sie heute nicht mehr versteckt werden.