Unsere Bauernfamilien
Ueli Michel, Nusshof / BL
«Weil es so trocken war, ist auf den Weiden nichts mehr gewachsen.»
Heisses Sommerwetter während mehrerer Wochen, je nach Region ohne Gewitter. Was für Schwimmbäder ein guter Sommer ist, stellt Landwirte vor Probleme und hat nicht nur kurzfristige Auswirkungen.
Ueli, ihr hattet einen sehr trockenen Sommer. Ist das nur persönliches Empfinden oder bestätigen das auch die offiziellen Zahlen?
Das ist nicht einfach ein Gefühl. Nicht nur die Sommermonate Juni und Juli waren sehr trocken, auch der Frühling war weniger niederschlagsreich als im Durchschnitt. Die Daten von den offiziellen Messstationen belegen dies ebenfalls.
Was heisst das für deine Mutterkuhherde, wenn es so heiss und trocken ist?
Kühe haben es generell nicht gerne heiss – am wohlsten ist ihnen bei Temperaturen zwischen 0 und 15 Grad. Die hohen Temperaturen diesen Sommer bedeuten deshalb Stress für die Tiere. Wir versuchen, diesen Stress zu mindern, in dem wir die Tiere beispielsweise nachts auf die Weide lassen, so dass sie nicht dem direkten Sonnenschein ausgesetzt sind. Auch Ventilatoren in Ställen oder «Tröpfchenduschen» können für ein wenig Abkühlung sorgen.
Ab Juli habt ihr die Tiere dann aber fast gar nicht mehr auf die Weide gelassen, auch nachts nicht. Warum?
Es gab kein Gras mehr. Weil es so trocken war, ist auf den Weiden nichts mehr gewachsen. Wenn ich dann die Tiere trotzdem auf die Weide lasse, machen die Tritte die Graswurzeln kaputt, es wächst dann auch nach Regen kaum mehr etwas. Übrigens wollten die Kühe schon gar nicht mehr raus.
Wie hast du das gemerkt?
Als ich die Stalltür aufgemacht habe, sind zwei, drei Kühe nach draussen. Vor der Weide sind sie stehen geblieben, haben sich umgeschaut und sich dann umgedreht. Zusammen mit den anderen, die beim Stall die Reaktion der Auskundschafterinnen abgewartet haben, sind sie dann zurück in den Stall getrottet.
Aber dann habt ihr doch Gewitter gehabt, wächst dann trotzdem nichts?
Wenn der Boden so stark ausgetrocknet ist, bringt ein heftiger Gewitterregen leider nichts. Es fällt dann in sehr kurzer Zeit so viel Wasser, der harte ausgetrocknete Boden kann davon kaum etwas aufnehmen – im Gegenteil, das Wasser schwemmt Boden ab, es gibt Erosion. Was wir brauchen, ist sanfter Landregen, am liebsten ein paar Tage lang.
Und dann lasst ihr die Kühe wieder raus?
So schnell geht das nicht in der Natur. Wenn es heute regnet, habe ich vielleicht in vier bis sechs Wochen wieder Gras zum Abweiden. Ich lasse die Tiere aktuell nur raus, damit sie sich etwas mehr bewegen können.
Was machst du, bis das Gras nachgewachsen ist?
Ich muss die Tiere im Stall mit Heu füttern. Das Heu ist eigentlich für den Winter und das heisst, dass ich für den Winter zu wenig Futter haben werde. Deshalb werde ich wohl oder übel einige meiner Kühe schlachten müssen.
Vielen Dank, dass du uns so offen und ehrlich von deinem aktuellen Alltag berichtet hast. Wir wünschen euch von Herzen, dass sich die Weiden mit den ersehnten Niederschlägen bald wieder erholen können und der kommende Sommer weniger heiss und trocken ausfallen wird.
Der Interviewpartner
Ueli Michel bewirtschaftet zusammen mit seiner Frau Ute und seinem Sohn Marco 34 ha Natur- und Kunstwiesen zum Mähen und Beweiden. Davon sind 6 ha Biodiversitätsförderflächen.
Auf dem Betrieb leben rund 33 Mutterkühe mit ihren Kälbern, ein Stier sowie einige Aufzuchtrinder. Drei Burenziegen pflegen zudem das Umfeld des Betriebs, in dem sie Hecken und Sträucher in Grenzen halten.
Neben der Landwirtschaft betreibt die Familie Michel ein eigenes Transportunternehmen für Gross- und Spezialtransporte. (Spezialtransporte für Handwerk & Bau | Michel Transporte)