Unsere Bauernfamilien
Manuela Barmettler, Ennetbürgen / NW
«Es braucht eine Frau – in den Bergen noch viel mehr.»
Manuela, wie seid ihr zur Mutterkuhhaltung gekommen?
Mein Mann und ich sind beide auf Bauernhöfen mit Milchkühen aufgewachsen. Unsere elterlichen Betriebe waren aber vorerst in anderen Händen. Als wir 2012 die Chance bekamen, einen Betrieb mit Mutterkühen zu pachten, haben wir zugepackt. Und jetzt möchten wir die Mutterkühe nicht mehr missen.
Warum nicht?
Wir haben immer gerne Kühe gehabt, das sind einfach unsere Tiere. Und sie wachsen einem ans Herz. Heute haben wir die Herde, die uns gefällt. Es stimmt so für uns und unseren Betrieb.
Was habt ihr für Rassen?
Wir haben vor allem Original Braunvieh und Kreuzungen daraus. Gerne mögen wir die Braunen mit Farbe, also die sogenannten Blüem- und Gurt-Kühe.
Hast du eine Lieblingskuh?
Nein, eine eigentliche Lieblingskuh habe ich nicht. Ich finde alle Kühe und ihr Zusammenspiel in der Herde faszinierend. Gerade in der Mutterkuhhaltung, die so natürlich ist, kann man vieles beobachten. Wenn eine Kuh ein Kalb auf die Welt gebracht hat, ist die eine trotzdem zahm und lässt dich nah heran, eine andere jagt dich weg. Das ist wie bei den Menschen, jedes Tier ist anders.
Wie teilen du und dein Mann euch die Arbeit auf dem Betrieb auf?
Unsere Rollenverteilung ist eher traditionell, mein Mann, Bruno, ist der Betriebsleiter, er kennt auch jedes Tier und weiss zu welcher Kuh ein Kalb gehört. Ich bin für die Kinder, den Haushalt und die Direktvermarktung zuständig. Aber ich mache auch oft den Stall, gerade wenn mein Mann im Winter seinem Nebenerwerb nachgeht und Bäume schneidet. Und ich mache auch Homöopathie bei den Tieren.
Ihr habt sehr viele Produkte, die ihr auf eurer Website anbietet.
Stimmt. Da ist einerseits das Fleisch aus der Mutterkuhhaltung und andererseits haben wir über hundert Obstbäume. Aus den Früchten mache ich Konfitüren und wir produzieren auch Süssmost.
Warum habt ihr so viele Obstbäume?
Einerseits haben wir gerne Obst und Most, andererseits sind die Bäume äusserst wichtig für die Artenvielfalt und bei uns auch zur Sicherung der Hänge. Da es bei uns im Sommer oft sehr trocken ist, haben wir vor kurzem Edelkastanien gesetzt, die sind trockenheitsresistenter als andere Obstbäume.
Arbeitest du auch noch auswärts?
Ja, ich arbeite zweimal pro Woche nachts für die Volg-Bäckerei hier in Ennetbürgen. Dort packe ich Brot ab, mache es bereit zum Ausfahren in die Filialen und übernehme auch selbst noch eine Ausfahrtour.
Das klingt anstrengend!
Ja, aber ich muss nichts Organisieren für die Kinder und die Familie. Ich denke, wenn ich eine Arbeit hätte, für die ich tagsüber von zu Hause wegmüsste, hätte ich immer das Gefühl, das ich zu Hause mehr ausrichten könnte.
Bist du denn zufrieden mit deiner Rolle?
Ja, unbedingt. Für mich und meine Familie stimmt unsere Rollenverteilung.
Wie siehst du die Rolle der Frau generell in der Landwirtschaft?
Ich finde, die Frau ist in der Landwirtschaft sehr wichtig. Es braucht eine Frau. In den Bergen noch viel mehr als im Talgebiet. Hier bei uns ist es grossmehrheitlich sehr steil, es gibt noch viel Handarbeit. Einer allein kann das nicht schaffen. Gemeinsam geht vieles einfacher.
Du engagierst dich an der Iheimisch am Stand von Mutterkuh Schweiz. Warum?
Ich finde es toll, dass Mutterkuh Schweiz an die Iheimisch kommt, damit die Menschen sehen, wer hinter den Produkten Natura-Beef und Natura-Veal steckt, die man bei Coop kaufen kann. Aber für solche Auftritte braucht es immer viele Helferinnen und Helfer. Mein Mann ist Präsident der Biobauern Ob- und Nidwalden. Da er mich jedoch am Stand der Biobauern an der Iheimisch nicht braucht, helfe ich gerne bei Mutterkuh Schweiz.
Da haben wir aber Glück gehabt! Danke, dass du dir Zeit nimmst für Mutterkuh Schweiz – an der Iheimisch und heute für das Interview. Und ein besonderes Dankeschön auch für dein Rezept – Natura-Beef-Geschnetzeltes süss-sauer – das wir in diesem Newsletter präsentieren dürfen.
Die Interviewpartnerin
Manuela Barmettler lebt zusammen mit ihrem Mann Bruno und den drei Kindern Ruedi (15), Andrea (13) und Rafael (11) auf dem Biobetrieb Kleinbiel in Ennetbürgen. Es werden 27 Mutterkühe und ihre Kälber, sowie fünf Rinder und ein Muni gehalten. Ein Teil der Mutterkühe und Kälber darf den Sommer auf Alpweiden im Gebiet der Bannalp verbringen.
An verschiedenen Standorten bewirtschaftet die Familie Barmettler ingesamt 24 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche. Davon sind 6,5 Hektaren Biodiversitätsförderflächen. Zudem leisten über 100 Hochstammobstbäume von diversen Arten und Sorten einen Beitrag an die Artenvielfalt.
Das Fleisch aus der Mutterkuhhaltung wird direkt oder via Bell bei Coop als Natura-Beef-Bio vermarktet. Über die Website HOF BARMETTLER kann man neben Natura-Beef-Mischpaketen Trockenfleisch und Trockenwurstspezialitäten sowie Produkte aus dem vielfältigen Hochstamm-Obstgarten beziehen von A wie Apfelmus bis R wie Ringelotten-Konfitüre (Ringelotten = Pflaumen der Sorte Reine Claude).
Mehr Informationen: HOF BARMETTLER