Unsere Bauernfamilien
Doris und Ueli Pfister, Freienstein / ZH
«Bei uns kann man zusammen mit Lea und Ben die Mutterkühe erleben und im Zirkuswagen übernachten»
Vor zwei Wochen wurde der Erlebnisweg «Lea und Ben bei den Mutterkühen» in Freienstein eröffnet. Was bedeutet das für euch?
Ueli: Wir freuen uns sehr, dass dieser Lehrpfad Leute in unsere Region lockt und ihnen die Mutterkuhhaltung näherbringt. Er passt sehr gut zu unserem Betriebskonzept.
Warum? Wie sieht euer Betriebskonzept aus?
Doris: Wir bewirtschaften einen kleinen, aber feinen Landwirtschaftsbetrieb. Und seit zehn Jahren beherbergen wir Gäste bei uns. Ich hatte schon immer eine Schwäche für Bau- oder Zirkuswagen und komme ursprünglich aus dem Hotelleriegewerbe. Danke dem Erlebnisweg kann man jetzt bei uns zusammen mit Lea und Ben die Mutterkühe erleben und im Zirkuswagen übernachten.
Ueli: Mit den Zirkuswagen haben wir angefangen. Als meine Eltern dann ins Dorf umgezogen sind, wurden Räumlichkeiten frei. So können wir jetzt auch Zimmer im Haus vermieten. Zusätzlich bieten wir Schlafen im Stroh an.
Und das hat Platz neben der Tierhaltung?
Ueli: Ja unbedingt. Doris kümmert sich um den Agrotourismus und ich mich mehr um die landwirtschaftlichen Aufgaben. Man kann nicht zu zweit mit der gleichen Heugabel arbeiten.
Habt ihr neben den Mutterkühen noch andere Tiere?
Doris: Ein Highlight für unsere kleinen Gäste sind natürlich die Zwergesel, die sie streicheln können. Aber auch an den Freilandschweinen haben sie Freude. Diese sind bei uns wirklich zum Teil sehr frei unterwegs. Die Löcher im Boden beim Spielplatz haben die Schweine gegraben und nicht die Maulwürfe oder Wühlmäuse.
Wie ist das, immer Besucherinnen und Besucher sowie Gäste auf dem Betrieb zu haben?
Ueli: Man muss den Austausch mit Menschen schon gerne haben. Es ist nicht jedermanns Sache, andere Leute auf dem eigenen Sitzplatz sitzen zu sehen – wobei wir selbst sowieso zu wenig Zeit haben, um unseren Sitzplatz wirklich zu nutzen. Doch wie gesagt, Doris liegt der Umgang mit Menschen sehr und bei uns zuhause waren eigentlich immer «Fremde» mit am Tisch, seien dies Pflegekinder oder Erwachsene.
Welche Erwartungen habt ihr an den Erlebnisweg von Mutterkuh Schweiz?
Ueli: Er stellt für unsere Region eine zusätzliche Attraktion dar, vor allem für Familien mit Kindern. Das Ziel des Erlebniswegs befindet sich auf unserem Betrieb bei einer Grillstelle. Ich freue mich auf den Austausch mit Naherholungssuchenden und Gelegenheitsbesuchern – und natürlich hoffe ich, dass der eine oder die andere sich bei uns im Hofladen mit Grillwürsten eindeckt oder ein anderes leckeres Produkt nach Hause nimmt.
Doris: Gleich am ersten Wochenende, als der Lehrpfad eröffnet wurde, hatten wir Übernachtungsgäste im Zirkuswagen. Es war eine Familie aus dem Thurgau, die wegen «Lea und Ben» zu uns gekommen sind. Das ist natürlich toll für uns und auch für Mutterkuh Schweiz!
Welcher Posten des Erlebniswegs ist euch persönlich am wichtigsten?
Ueli: Die spielerischen Posten sind sehr wichtig, die Kinder sollen Spass haben. Persönlich finde ich aber die Posten besonders wertvoll, die wichtige Zusammenhänge erklären. Zum Beispiel der Posten zum Abfall oder auch das Polo-Spiel.
Entspricht die Fütterung auf eurem Betrieb denn dem Polo-Spiel?
Ueli: Ja klar! Wir halten nur so viele Mutterkühe, wie wir mit unseren eigenen Wiesen ernähren können. Wir kaufen kein Futter zu und die Tiere bekommen nur eigenes Gras und Heu. Dieses Gleichgewicht und dieser Kreislauf sind uns sehr wichtig.
Doris: Gut zu unserem Betrieb passt auch der Posten zur Rassenvielfalt. Wir haben eine bunt gemischte Herde, da wir nicht ein bestimmtes Zuchtziel verfolgen, sondern manchmal auch spontan ein Tier kaufen, das uns gut gefällt.
Ueli: Stimmt. Nebst dem Aussehen ist uns vor allem auch der Charakter der Tiere wichtig. So bin ich zum Beispiel absolut überzeugt von unserem Aubrac-Stier Babou. Er ist so umgänglich und hat einen wirklich guten Charakter. Ich hoffe, wir können ihn noch lange behalten.
Vielen Dank für das Interview und euer Engagement für den Erlebnisweg. Wir wünschen euch viele interessante Begegnungen und Freude mit euren Tieren!
Die Interviewpartner
Doris und Ueli Pfister bewirtschaften in Freienstein / ZH knapp 20 Hektar Land. Fast 20 Prozent der Flächen dient der Förderung der Biodiversität. Die Weiden und Futterflächen sind grösstenteils am Hang und bieten Futter für den Zuchtstier, 22 Mutterkühe und ihre Kälber.
Auf den ackerbaulich nutzbaren Flächen wird Futtergetreide für die eigenen Schweine angebaut.
Das Fleisch von Rindern und Schweinen wird fast ausschliesslich direkt vermarktet. Familie Pfister ist mit einem grossen Sortiment zweimal pro Woche auf dem Wochenmarkt in Bülach.
Wichtiger Betriebszweig ist ausserdem der Agrotourismus mit Vermietung von Zimmern, Bauwagen und Schlafen im Stroh.
Mehr Informationen: Willkommen auf dem Puurehof im Rüedi