Unsere Bauernfamilien
Olivier Boillat, Courtemelon (JU)
«Es ist uns wichtig mit Respekt und Überzeugung zu zeigen, dass man Fleisch von diesen Tieren mit gutem Gewissen essen kann.»
Mutterkuh Schweiz wird bereits zum dritten Mal in Courtemelon mit Mutterkühen und Kälbern präsent sein. Warum wurde der Anlass von «Schweizer Markt und Wettbewerb der Regionalprodukte» umbenannt in «Festival Terroir Suisse»?
Der Markt und Wettbewerb der Regionalprodukte findet alle zwei Jahre statt, 2025 zum 11. Mal. Der Anlass wird immer grösser und vielfältiger. Mein Kollege sagte einmal: «Das ist ja ein richtiges Festival!» Und er hat Recht. Es ist ein nationaler, sehr facettenreicher Markt, zu Produzentinnen und Produzenten aus der ganzen Schweiz gesellen sich tausende Konsumentinnen und Konsumenten.
Weshalb darf sich Mutterkuh Schweiz an diesem Anlass präsentieren?
Fleisch ist eine der fünf Produktkategorien des Wettbewerbs und ein wichtiger Bestandteil der Schweizer Regionalprodukte. Fleisch gehört zu den Schweizer Traditionen. Die Mutterkuh- und Weidehaltung ist eine der Haltungsformen mit dem besten Öko-Score und geniesst wegen dem Tierwohl in der Öffentlichkeit einen sehr guten Ruf. Am Festival präsentieren leidenschaftliche Züchterinnen und Züchter von Mutterkuh Schweiz ihre Tiere einem breiten Publikum. Wir arbeiten sehr gerne mit ihnen zusammen und werden mit ihnen vor Ort ein «Paradies für Kühe» gestalten. Es ist uns wichtig mit Respekt und Überzeugung zu zeigen, dass man Fleisch von diesen Tieren mit gutem Gewissen essen kann.
Wird man am Festival auch Produkte aus Mutterkuhhaltung probieren und kaufen können?
In unseren Restaurants wird Rindfleisch aus Mutterkuhhaltung serviert. Am Schweizer Wettbewerb und Markt findet man medaillengekrönte Produkte aus Rindfleisch wie Appenzeller Mostbröckli, Bündner Trockenfleisch und vieles mehr.
Welche Bedeutung hat das Festival für die Schweizer Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie?
Der Direktor der FRI, Olivier Girardin, ist auch Präsident des Vereins «Kulinarisches Erbe der Schweiz». Das hilft, Produzentinnen und Produzenten und ihre Produkte in allen Regionen der Schweiz zu finden und für den Wettbewerb zu gewinnen. Das Festival ist für diese Produkte eine Bühne. Über 1200 Spezialitäten aus der ganzen Schweiz werden um die nationalen Medaillen wetteifern. Die regionalen Produkte werden anonym von fünf Expertenjurys – bestehend aus Fachleuten, Produzenten und Konsumentinnen – bewertet. Die besten Produkte werden mit einer Gold-, Silber- oder Bronzemedaille ausgezeichnet. Kleine und grössere Produzentinnen und Produzenten nutzen den Wettbewerb, um sich zu positionieren, den Markt um ihre Produkte zu verkaufen und die Medaillen, um an Bekanntheit zu gewinnen.
Am Rande des Festivals findet zudem eine internationale Konferenz zum Thema «Wie kann die Gastronomie auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit und Regionalität begleitet werden» statt. Die Konferenz bietet die Möglichkeit, über die wirtschaftliche, ökologische und soziale Entwicklung von Regionalprodukten als Motoren der lokalen Wirtschaft nachzudenken und soll wichtige Akteure vernetzen. Wir sehen uns und das Festival Terroir Suisse hier klar als nationale Plattform.
Die ausgezeichneten Regionalprodukte stehen also im Zentrum. Welche Highlights gibt es noch an dem Festival?
Wie bereits erwähnt werden Mutterkühe mit Kälber von verschiedenen Rassen zu sehen sein. Es gibt Fahrten mit Pferdewagen für das breite Publikum, es werden Geschmacksworkshops mit Sterneköchen veranstaltet und das Finale der Schweizer Meisterschaften im Barbecue findet statt. Für die Gastronomie gibt es eine Gourmet-Allée und es wird 35 Geschmacksanimationen geben, bei denen die Produzenten, Gastronominnen und Juroren des Schweizer Wettbewerbs der Regionalprodukte im Mittelpunkt stehen. Natürlich dürfen Galaabend und Medaillenverleihung am Freitag, 26. September 2025, mit Guy Parmelin und allen Staatsräten der Kantone Jura und Waadt – der Kanton Waadt ist dieses Jahr Ehrengast – nicht unerwähnt bleiben.
Haben Sie ein Lieblingsprodukt, das an diesem Festival angeboten wird?
Ja, in jedem Schweizer Kanton eines! Für den diesjährigen Ehrengast-Kanton Waadt ist es die „Saucisse aux choux vaudoise IGP“.
Was ist Ihr Lieblingsgericht mit Rindfleisch?
Meine Lieblingsgerichte mit Rindfleisch sind „Tripes à la neuchâteloises, Tête de veau vinaigrette, Rognons flambés à la Damassine AOP, Braten und ein nach Art des «Bœuf bourguignon» gekochtes Ragout, das einen ganzen Tag lang bei 70 Grad langsam gegart wird!
Kochen Sie selbst?
Meine Frau Géraldine ist eine ausgebildete und tüchtige Köchin – das sagt wohl alles. Als wir uns kennenlernten, besuchten wir die Familien- und Bauernrestaurants in der Region JU. Wir teilen die Vorliebe für einfache Dinge, zum Beispiel «Les trois rôtis». Außergewöhnliche Braten kann man überall dort finden, wo sie kocht: im Gite La Bergerie in Mormont oder im Ferme & Restaurant du Vorbourg in Delémont und natürlich bei uns daheim. Wenn Sie Lust haben, versuchen Sie Géraldines Rezept nachzukochen.
Herzlichen Dank an Ihre Frau für das Rezept und an Sie für das Interview. Wir wünschen Ihnen und allen am Festival Terroir Suisse Beteiligten viel Vergnügen und viel Erfolg!
Der Interviewpartner
Olivier Boillat
Olivier Boillat (56, Ingenieur Agronom ETH) ist Kommunikationsverantwortlicher bei der Fondation Rurale Interjurassienne (FRI) und zuständig für die Partner im Rahmen des Festivals Terroir suisse. Hier beim Gala-Essen mit Miss Helvetia und den Schülerinnen und Schülern „Hotellerie & Hauswirtschaft“, ohne die all diese Degustationen und Gala-Essen nicht möglich wären.
Fondation Rurale Interjurassienne
Die Fondation Rurale Interjurassienne (FRI) ist das wichtigste Instrument für die ländliche Entwicklung im Jura und im Berner Jura. Ihre Hauptaufgaben konzentrieren sich auf die Ausbildung, Beratung und Forschung in den wichtigsten Bereichen der ländlichen Entwicklung. Sie ist eine interjurassische Institution, an der vier Partner gleichberechtigt beteiligt sind, nämlich zwei Kantone und zwei Landwirtschaftskammern. Die FRI entfaltet ihre Aktivitäten von den Standorten Courtemelon und Loveresse aus.